< "Es läßt sich nicht scherzen mit der Reformation". Impulse Karl Barths für die Reformation der Kirche heute
10.12.2015 17:43 Alter: 2 Jahr(e)
Kategorie: Vorträge

Hoffnung am Grab?

Gesprächsimpulse für den Pfarrkonvent Berlin-Zehlendorf am 03.12.2015


Besinnungen zur Eschatologie in Traueransprachen heute

 

Fragen:

1)      Ist es richtig, dass heute in Traueransprachen vermieden wird, der Hoffnung auf Gottes Reich, die Auferstehung der Toten, das jüngste Gericht und das ewige Leben Ausdruck zu geben?

2)      Wenn das so sein sollte, was unterscheidet dann die Predigt bei einer „christlichen“ Beerdigung von einer „weltlichen Beerdigungsrede“?

 

 

Probleme:

1)      Wenn ein Mensch gestorben ist, von dem wir wissen, dass er mit der Hoffnung gelebt hat, Gott werde sein sterbliches Leben in „ewiges Leben“ „verwandeln“ (1. Korinther 15, 50-53), gibt es keinen Grund, von ihr zu schweigen. In der Situation von heute müssen wir aber davon ausgehen, dass zur Trauergemeinde viele Menschen gehören, die diese Hoffnung nicht teilen und auf die sie sogar befremdlich und abschreckend wirkt. Wir wollen aber nicht abschrecken.

2)      Die weitaus meisten Beerdigungen in unserer Stadt und unserem Land sind „weltliche“ Bestattungsfeiern. Der Anteil an „stillen“ Beerdigungen und privaten Abschieds-Zeremonien steigt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der trotz der „Wiederkehr der Religion“ die Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott fortwährend im Schwinden ist.

3)      Die Vorstellungen, in denen das Neue Testament der Hoffnung auf ein Leben jenseits der Todesgrenze Ausdruck gegeben hat, sind mit einem Welt- und Wirklichkeitsverständnis verbunden, das auch Glieder der „Volkskirche“ befremdet. Die Traueransprache ist nicht der Ort, zu erklären, wie wir diese Vorstellungen heute zu verstehen haben.

4)      Muss die Traueransprache sich angesichts von alledem darauf beschränken, hervorzuheben, was Gott einem Menschen in diesem Leben Gutes getan hat?

 

Impulse und Kriterien:

1)      Wer eine Traueransprache hält, ist sich bewusst, dass der Glaube an Jesus Christus untrennbar mit der Hoffnung darauf verbunden ist, dass der ewige Gott Menschen nicht nur in der Zeit, sondern in seiner Ewigkeit annimmt, bejaht und zu Ehren bringt. Er wird von Anfang an den Ort kenntlich machen, an dem diese Hoffnung wurzelt.

2)      Der ewige Gott ist kein anderer als der, welcher unser Leben mit seinem Geist berührt und leitet. Spuren der Ewigkeit Gottes im Leben eines Menschen zu entdecken, die über die Todesgrenze hinaus weisen, gehört zur unerlässlichen Erinnerung an ein vollendetes Leben. Ebenso aber auch, dass wir eines gnädigen Richters bedürfen, der das, was vor ihm Bestand hat, von dem unterscheidet, was mit Recht vergehen darf.

3)      Gottes Ewigkeit ist kein abstraktes „Jenseits“, das phantasievoll zu erraten ist. Der Gott des christlichen Glaubens ist ein Gott Beziehung. Indem er nicht aufhört, „mit uns zu reden“, sind wir „unsterblich“ (Martin Luther). Christliche „Traueransprache“ in diesem Sinne wird der Hoffnung Ausdruck geben, dass die Geschichte Gottes mit einem Menschen mit seinem Tode nicht endet¸ sondern dass die Gestorbenen „mit Christus“ (Phil 1, 23) auf den Weg in Gottes Friedensreich mitgenommen werden (J. Moltmann).

4)      Der „Sinn des Lebens“ erschöpft sich nicht in der Anstrengung, das Leben zweckmäßig „über die Runden zu bringen“. „Sinn“ hat unser Leben nur in einem Zusammenhang, der dauert. Christliche Traueransprache prägt diesen Zusammenhang ein und ist deshalb nicht bloß von Trauer und der Erinnerung an die Vergangenheit dominiert, die bald dem Vergessen einheim fällt.

5)      Die Metaphern vom Bleiben der Toten in „Gottes Gedächtnis“ oder von ihrem Aufgenommensein ins „Buch des Lebens“ wollen das sicherlich zum Ausdruck bringen, sind aber zu schwach, um auszudrücken, dass „ewiges Leben“ wirklich Leben bedeutet und nicht Archivierung der Vergangenheit.

6)      Die Hoffnung auf das ewige Leben im Sein „mit Christus“ (Phil 1, 23) und auf ein Leben im Reiche Gottes bleibt die Hoffnung auf ein Wunder, das nur der ewige Gott zu realisieren vermag. Nur in der Hoffnung auf dieses Wunder ist eine Traueransprache im Geiste Jesu Christi „christlich“. Hat der Jude Ben Gurion Recht, als er sagte. „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“?

7)       Die Trauergemeinde einzuladen, ihr eigenes Leben im Zeichen dieser Hoffnung zu vollziehen, ist die Botschaft, die ein verstorbener Mensch, den die christliche Verkündigung in Worte der Hoffnung bettet, uns Lebenden nahe zu bringen vermag.

8)      „Christliche Traueransprachen“ sind Einladungen an die Trauergemeinde, den Tod, auf den alle zugehen, nicht – wie es zur Gewohnheit der säkularisierten Gesellschaft geworden ist – zu verdrängen, sondern den Tod eines Menschen zum Aufruf an sie selbst werden zu lassen, ihr Leben im Horizont des ewigen Gottes zu verantworten.    


 
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