< Was begründet die Hoffnung der Christinnen und Christen?
27.04.2014 17:54 Age: 6 Jahr(e)
Category: Predigten

Das eine Wort Jesus Christus

Predigt über Barmen 1 am 27.04.2014 in St. Paul (Berlin)


„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich (Johannes 14, 6).

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hinein geht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder. Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden (Johannes 10, 1.9)

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

 

Liebe Gemeinde,

die Glaubensbekenntnisse, zu denen unsere Kirche steht, sind allesamt in dramatischen Situationen entstanden. So war es schon in der Alten Kirche vor über 1500 Jahren. Da drohte die Christenheit im Streit über das rechte Verständnis Gottes und Jesu Christi auseinander zu brechen. Sie hat das durch das Bekenntnis zum dreieinigen Gott verhindert. So

war es in der Reformationszeit, in der sie tatsächlich in die katholische und die evangelische Kirche auseinander gebrochen ist. Seitdem gibt es besondere reformatorische Bekenntnisse wie die Augsburgische Konfession und den Heidelberger Katechismus. Und so war es auch vor 80 Jahren, als unsere Evangelische Kirche in Deutschland in die Hände einer sogenannten „Glaubensbewegung“ zu fallen drohte, die sich „Deutsche Christen“ nannte.

Es ist für uns heute nur noch schwer vorstellbar, wie die Mehrheit der evangelischen Christinnen und Christen auf diese „Glaubensbewegung“ herein fallen konnte. Denn sie war nichts anderes als eine religiöse Variante der Nazi-Ideologie. In den „Richtlinien“ für die „Deutschen Christen“ klingt das im Mai 1932 schon vor Hitlers Machtergreifung so:

„Wir bekennen uns zu einem […] artgemäßen Christusglauben, wie er deutschem Luthergeist und heldischer Frömmigkeit entspricht. […] Wir sehen in Rasse, Volkstum und Nation uns von Gott geschenkte und anvertraute Lebensordnungen. […]. Daher ist der Rassenvermischung entgegen zu treten. […] Wir […] fordern […] Schutz des Volkes vor den Untüchtigen und Minderwertigen. […] Insbesondere ist die Eheschließung zwischen Deutschen und Juden zu verbieten.

Als Adolf Hitler im Januar 1933 dann tatsächlich an die Macht gekommen war, haben die „Deutschen Christen“ dies als eine „Gottesoffenbarung“ gefeiert. „Wie jedem Volk, so hat auch unserem Volk der ewige Gott ein arteigenes Gesetz eingeschaffen“, heißt es zum Beispiel bei den sächsischen „Deutschen Christen“. „Es gewann Gestalt in dem Führer Adolf Hitler und in dem von ihm geformten nationalsozialistischen Staat.“

Das alles war so weit weg vom Wesen des christlichen Glaubens an den liebenden Gott aller Menschen, dass es im Grunde jede Konfirmandin und jeder Konfirmand hätte merken können. Die Gemeinden aber haben es damals - beduselt von den Nazis - nicht gemerkt. Im Juli 1933 standen von der Regierung verordnete Kirchenwahlen an. Das war war etwas anderes als heute die Gemeindekirchenratswahlen. Es wurde mit kirchenpolitischen Listen gewählt. Hitler hat sich noch am Vorabend dieser Wahlen am 22. Juli 1933 in den Wahlkampf mit einer Rundfunkrede eingemischt und zum Wählen der Liste der "Deutschen Christen" aufgerufen. Das Ergebnis war ein überwältigender Wahlsieg dieser Liste. 

Die Leute, welche nun in den Evangelischen Kirchen Deutschlands das Sagen hatten, fackelten nicht lange. Sie besetzten alle kirchlichen Leitungsämter mit dem Ziel, eine deutsche Nationalkirche zu schaffen. Auf ihrer „Nationalsynode“ am 27. September 1933 in Wittenberg wählten sie den Kreiswehrpfarrer Ludwig Müller zum Reichsbischof. Der versuchte nun, den deutschen Landeskirchen eine Kirchenordnung im Geiste der „Deutschen Christen“ aufzuzwingen. Doch da spukten zwei Ereignisse dazwischen, die eine Austrittswelle aus dieser „Glaubensbewegung“ zu Folge hatte.

Das eine war der Auftritt des Gymnasiallehrers Reinhold Krause aus Pankow-Niederschönhausen bei einer Großkundgebung des „Gaues Berlin“ im Berliner Sportpalast vor tausenden Anhängern der „Deutschen Christen“ am 3. November 1933. In einer Resolution wurde da gefordert, (O-Ton) „dass eine deutsche Volkskirche Ernst macht mit der Verkündigung der von aller orientalischen Entstellung gereinigten schlichten Frohbotschaft und einer heldischen Jesus-Gestalt als Grundlage eines artgemäßen Christentums [...]. Wir bekennen, dass der einzige wirkliche Gottesdienst für uns der Dienst an unseren Volksgenossen ist“. Das war vielen „Deutschen Christen“, denen es immerhin noch um so etwas wie die christliche Kirche ging, bis hin auf die Leitungsebene dann doch zu viel. Sie verabschiedeten sich von Ludwig Müller.

Das andere war die Eingliederung der Evangelischen Jugend in die Hitlerjugend, die vielen „Deutschen Christen“ die Augen dafür öffnete, dass es hier gar nicht mehr um die Kirche, sondern um die Durchsetzung der Macht der Nationalsozialisten ging. Die „Deutschen Christen“ waren damit im Grunde am Ende. Aber der „Reibie“, wie der Reichsbischof verächtlich genannt wurde, war es nicht. Er versuchte nun, die Evangelischen Kirchen in Deutschland mit gesetzlichen Verordnungen botmäßig zu machen.

Dagegen begann sich Ende 1933 eine Opposition zu formieren. Allem voran was das der „Pfarrernotbund“, der durch den Berliner Pfarrer Martin Niemöller gegründet wurde. Der bekam großen Zulauf. Schon im Januar 1934 gehörten ihm über 7000 Mitglieder an. In allen Landeskirchen bildeten sich darüber hinaus freie Bekenntnisgemeinschaften. Es gab auch „intakt“ gebliebene Landeskirchen wie die von Baden-Württemberg und Bayern, bei denen die „Deutschen Christen“ nicht gesiegt hatten. Sie suchten den Kontakt zu den Bekenntnisgemeinschaften mit dem Ziel, eine „Bekennende Kirche“ als allein legitime Kirche in Deutschland der Reichskirchenregierung entgegen zu setzen.

Die Schilderung dessen, welche Schwierigkeiten und konfessionellen Nicklichkeiten dabei zu überwinden waren, würde hier zu weit führen. Wir können darüber vielleicht im Predigtnachgespräch reden. Der Pfarrer Graeber aus Essen hat alle diese nervenden Vorgeplänkel zum gemeinsamen Bekennen kurz und drastisch mit dem Wort zum Ausdruck gebracht: „Gott hat uns zusammen geprügelt“.

Das war auch nötig. Denn der „Reibie“ machte Druck. So nahmen die Dinge für damalige Verhältnisse ein geradezu atemberaubendes Tempo an. Vom 29.-31. Mai 1934 traten 139 Delegierte aus 25 Landeskirchen zu einer Bekenntnissynode in Barmen-Gemarke, einem Stadtteil von Wuppertal, zusammen. Das war eine bunte Truppe von Bischöfen, Gemeindegliedern, Pfarrer und Theologen, von Lutheranern und Reformierten, von freien Bekenntnisgemeinschaften und einzelnen Gemeinden. Erstaunlicherweise oder vielmehr problematischerweise waren auch Mitglieder der NSDAP dabei. Die meisten Synodalen hatten noch nie etwas miteinander zu tun. Normalerweise hätte man erwarten können, dass die Sache schief geht. Und das wurde auch befürchtet.

Denn die Synodalen wussten, als sie anreisten, noch gar nicht, was sie beschließen sollten. Ihnen wurde erst auf der Synode der Entwurf einer Theologischen Erklärung vorgelegt, den ein Aussschuss 14 Tage vorher in Frankfurt am Main erstellt hatte. Er stammt fast gänzlich von dem reformierten Schweizer Theologieprofessor Karl Barth, der damals eine Professur in Bonn inne hatte. Barth war allerdings selbst kein Synodaler. Den Entwurf hat der Altonaer Pfarrer Hans Asmussen der Synode vorgetragen und erläutert.   

Nach zweitägigen Beratungen wurde dann abgestimmt. Das Ergebnis haben viele Beteiligte regelrecht als ein „Wunder“ bezeichnet. Die Barmer Theologische Erklärung wurde einstimmig angenommen, Die Synodalen sprangen ob dessen (inclusive der einen Frau von Mackensen!) wie ein Mann auf und stimmten das Lied „Nun danket alle Gott“ an. Die Evangelische Kirche war, wie Karl Barth das später ausgedrückt hat, in eine Situation geraten, in der ihr „gar nichts anderes übrig blieb, als das eine Wort Gottes, das Jesus Christus heißt“. Und damit wären wir bei der ersten These dieser Erklärung, die allen anderen Thesen den cantus firmus vorgibt.

Diese These hat wie alle anderen eine klare Struktur. Zuerst wird ein Bibelwort zitiert. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden: Was eine christliche Kirche zu sagen und darzustellen hat, stammt aus dem Hören auf das Zeugnis der Bibel. Der positive Hauptsatz jeder These ist darum als Antwort auf das zu verstehen, was da gehört wurde. Die Antwort, die in der ersten These gegeben wird, lautet: Eine christliche Kirche hat auf Jesus Christus zu hören, ihm in jeder Hinsicht zu vertrauen und zu gehorchen.

Nur besonders gespitzte und kundige Ohren werden bemerken, dass in diese Antwort gleich zwei Bekenntnisse der Reformation eingeflossen sind. Das ist einerseits Martin Luthers Kleiner Katechismus. Dort heißt es in der Erklärung zum 1. Gebot: Wir sollen Gott über alle Dinge „fürchten, lieben und vertrauen“. Und das ist andererseits die erste Frage des Heidelberger Katechismus, die da lautet: „Was ist dein einziger Trost im Leben und Sterben“? Die Antwort, welche die erste These der Barmer Theologischen im Hören auf die Bibel gibt, taktet sich also in die Bekenntnisse der Reformation ein. Sie will kein neues Bekenntnis sein, sondern aktuelles Bekennen in den Spuren der Reformatoren.

Das wurde 1934 für eine Kirche, die nicht von allen guten Geistern des Evangeliums verlassen war, unausweichlich, Denn – wie wir gesehen haben – waren die „Deutschen Christen“ und ihr „Reibi“ drauf und dran, im Hören auf andere „Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten“ die Kirche Jesu Christi kaputt zu machen. Das „Ereignis“ der nationalsozialistischen Machtergreifung, die Macht des Volkstums, solche Gestalten wie Hitler und solche sogenannten „Wahrheiten“ wie der Rassismus drückten der Stimme Jesu Christi die Luft ab. Da half nur ein Befreiungsakt. Und das war die Verwerfung von dem allen als „falsche Lehre“, die in der Kirche Jesu Christi nichts zu suchen hat.

Wir dürfen vermuten, dass die 139 Synodalen das auch als solchen Befreiungsakt empfunden haben, als sie nach vollbrachtem Werk mit Luthers Danklied auf den Lippen aufsprangen. Und wir, liebe Gemeinde – hoffe ich jedenfalls – springen im Geiste sicherlich auch in Dankbarkeit dafür mit auf, dass unsere Kirche damals die Kraft gefunden hat, dem Wuchern der religiös verbrämten Nazi-Ideologie in unserer Kirche zu widerstehen.

Aber, aber, aber… So ganz ungetrübt kann unsere Freude nicht sein. Denn uns bedrückt, dass die Barmer Synode kein Wort zur Judenverfolgung gesagt hat. Die ging 1934 konkret mit der Ariergesetzgebung los. Juden durften nicht mehr Beamte sein. Dietrich Bonhoeffer hatte schon im Juni 1933 gefordert, dass die Kirche sich mit den Opfern des staatlichen Antisemitismus solidarisieren müsse. Doch Bonhoeffer war, als die Barmer Synode stattfand, Auslandspfarrer in London. Die Synodalen aber waren ganz darauf fixiert, die Kirche vom Ungeist der „Deutschen Christen“ frei zu machen. Und selbst dabei ist für Viele die Freude über das einmütige Bekennen nicht so richtig dauerhaft gewesen.

Wieder zu Hause angekommen, haben sie sich genauer angesehen, was sie unter dem Druck vom „Reibi“ und seinen mächtigen „Volksgenossen“ in der Reichskanzlei beschlossen hatten. Da kamen nicht wenigen Zweifel, ob man über die berechtigte Verwerfung der „Deutschen Christen“ hinaus so grundsätzlich sagen kann, dass Christus das eine Wort Gottes ist. Gibt es wirklich darüber hinaus keine anderen „Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten“, in denen Gott uns begegnet?

Diese Frage hat Kreise gezogen. Sie hat unter anderem bewirkt, dass die lutherischen deutschen Landeskirchen die Barmer Theologische Erklärung bis heute nicht in ihre Bekenntnisgrundlagen aufgenommen haben. Diese Frage beunruhigt auch in unseren Tagen Christinnen und Christen, wenn sie die erste These als Grundsatz für unsere Kirche heute lesen. Sie fragen:

Müssen wir uns denn nicht auch auf die Erfahrungen beziehen, die Menschen in ihrem Leben schon immer mit Gott machen? Verengt die Rede von dem einen Wort Gottes, das Jesus Christus heißt, das Verständnis der Weite des Wirkens Gottes unter uns Menschen nicht unzulässig? Äußert sich hier nicht auch ein christlicher Hochmut, der meint, alleine die Kirche sei im Besitz der offenbaren Wahrheit? Das wird in unserer pluralistischen Gesellschaft besonders im Blick auf andere Religionen geltend gemacht. Muss man ihnen nicht zubilligen, dass auch sie wahre Offenbarungen Gottes erfahren haben, ja vielleicht letztlich denselben Gott verehren?

Das sind unabweisbare Fragen; Fragen, die Zweifel aufkommen lassen, ob man die erste These von Barmen über die Situation von 1934 hinaus so ins Grundsätzliche erheben kann. Um auf diese Fragen einzugehen, bedarf es, liebe Gemeinde, noch einmal besonders gespitzter Ohren. Denn wenn wir die Verwerfung falscher Lehre in der ersten These nämlich genau lesen, bemerken wir, dass hier keinesfalls verworfen wird, es gäbe andere Offenbarungen Gottes als im einen Wort Gottes, das Jesus Christus heißt.

Der Verfasser der ersten These, Karl Barth, hat etwas burschikos gesagt: „Gott kann durch den russischen Kommunismus, durch ein Flötenkonzert, durch einen blühenden Strauch oder durch einen toten Hund zu uns reden“. Natürlich gibt es Gotteserfahrungen außerhalb der Kirche. Ausgeschlossen wird in der Barmer Theologischen Erklärung aber, dass sie zur „Quelle der Verkündigung“ und damit eines christlichen Lebens werden.

Um das zu verstehen, müssen wir eines nüchtern zur Kenntnis nehmen: Religion und damit Gottesglauben in vielen Gestalten sprudelt seit altersher und bis heute unvermindert aus den unterschiedlichsten Ritzen menschlichen Lebens. Menschen sind unausweichlich religiöse Wesen, selbst Atheisten, die an irgendwas „ihr Herz hängen“ (wie Martin Luther gesagt ha). Denn dem Drang unseres Bewusstseins über alles Endliche hinaus kann sich niemand entziehen.

Deshalb sprudelt die Religion heute wie ehedem an allen Ecken und Enden unserer Welt in vielen Variationen. Mal sprudelt sie so, dass tiefe Weisheit über die Bedingungen unseres endlichen Lebens im Horizont der Ewigkeit Gottes aus ihr empor quillt. Mal sprudelt sie so, dass Mächte und Gewalten dieser Welt sich ihrer bemächtigen und sie zuschanden machen. Heute sprudelt sie in unseren europäischen Gegenden vorzüglich so, dass Menschen sich – wie die Berliner sagen – irgendein „Gottchen“ zusammen basteln, das ihnen angenehm ist.

Die erste These der Barmer Theologischen Erklärung verneint - wie gesagt - nicht, dass es das alles gibt. Aber sie schenkt uns Christinnen und Christen einen Maßstab, der uns hilft, uns durch die ganze vielfältige Welt des Relighiösen und der Religionen hindurch zu finden. Dieser Maßstab ist nicht irgendein abstraktes zänkisches Prinzip, kein Dogma zum Nachplappern und keine Anweseisung, religiös Mücken zu seien und Kamele zu verschlucken.

Dieser Maßstab ist ein Mensch, der uns – mit Luther geredet – Gott als einen ganzen „Backofen voller Liebe“ nahe gebracht hat und bringt. Jesus Christus ist das eine Wort Gottes – das bedeutet darum: Zur Menschenfreundlichkeit, mit der Gott jeden Menschen, bejaht, begleitet und aufrichtet, gibt es keine Alternative. Wer von da her kommt, ist auf dem richtigen Weg. Er tritt in die Fußspuren Jesu Christi und siehe da: Wir Christinnen und Christen treffen auf diesem Wege immer wieder Menschen an, in deren Leben sich von ganz anderen Startpositionen als unseren aus diese Menschenfreundlichkeit Gottes in einem echt menschlichen Leben spiegelt. Jesus Christus hat viel mehr Freundinnen und Freunde auf der Welt, als wir denken (selbst wenn den Namen Jesu Christi nicht kennen).

Aber wir treffen auch andere, die den Weg in den Fußspuren Jesu Christi mit Gewalt und Hass unterminieren und mit dem Schotter ihrer Ideologien zur Stolperpiste machen. Da ist es ist nötig, liebe Gemeinde, dass wir, dass unsere Kirche die Wahrheit, für die Jesus Christus gut steht, als leuchtenden Stern vor Augen haben. Mit dem hellen, warmen Schein, der von ihr beständig auf jeden Menschen fällt, werden wir fähig, „die Geister zu prüfen“, wie es in dem Aufruf heißt, den die Barmer Synode an die Gemeinden gerichtet hat.

Die Geister zu unterscheiden – das ist eine ganz wichtige Fähigkeit, die Christinnen und Christen durch Jesus Christus verliehen wird. Sie flattern nicht wie religiöse Blätter im Winde herum, die sich von den wechselnden Strömungen in Religion und Gesellschaft mal hierhin und mal dorthin treiben lassen. Sie sind als Partnerinnen und Partner Jesu Christi ganz entschieden, wenn es gilt, den dunklen Geistern der Menschen- und Gottesverachtung Widerstand zu leisten.

Aber nicht das Verneinen treibt sie an. Im Unterscheiden der Geister, von denen es in unserer vielfältigen Gesellschaft verwirrend viele gibt, ist eine Bejahung und nicht eine Verneinung ihr erstes Wort. Sie stehen für das große Ja Gottes zu jedem Menschen gut, das aller Menschenfeindschaft und allem Hass in unserer Welt das Wasser abgräbt.

Die Barmer Theologische Erklärung von 1934 bleibt deshalb auch 2014 für alle aktuell, die ihren Weg in den Fußspuren Jesu Christi gehen. Sie hilft uns wache Christinnen und Christen in den Wirrnissen und Herausforderungen unserer Zeit zu sein. Amen.


 
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