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08.11.2018 09:44 Alter: 6 Tag(e)
Kategorie: Artikel

Gottes Wahrheit schenkt Lebensmut. Wider Hiobs November-Wahrheiten

Gedanken zum Predigttext am 11.11.2018, in: Die Kirche Nr.45/2018


Der Mensch, von einer Frau geboren, lebt kurze Zeit an Tagen und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. Doch Du hältst über ihm Dein Auge offen und bringst ihn ins Gericht mit Dir. Kann wohl ein Reiner von Unreinem kommen? Nicht ein Einziger (wird's sein). Sind seine Tage bestimmt und die Zahl seiner Monde bei Dir, setzt Du sein Ziel, das er nicht überschreitet - So schau doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt, auf den er sich wie ein Tagelöhner freut.

Eigentlich ist das kein Predigttext. Man kann im Grunde nicht „Amen“ sagen, nachdem er verlesen wurde. Denn „Amen“ bedeutet: „Ja, das ist wahr“. – „Amen“ aber bleibt uns bei diesem Text im Halse stecken.

Denn hier redet nicht nur einer, der mit Gott nichts mehr zu tun haben möchte, während die Gemeinde sich versammelt, um auf Gott zu hören. Hier redet auch einer von uns auf so trübsinnige Weise, dass es uns in dieser dunklen Novemberzeit selbst ganz trübsinnig zu machen droht. Wir seien nichts als Blumen, die verwelken und Schatten, die fliehen, will er uns einreden. Wenn das aber so ist, dann ist nicht einzusehen, warum es wichtig sein soll, ob wir dies oder das tun, gut oder böse handeln. Dann möchten wir mit der Frage nach Schuld und Unschuld in Ruhe gelassen werden, bei der wir sowieso nicht gut abschneiden. Zum Lebensideal wird dann, sich nach dem Abrackern am Tage für den Lebensunterhalt nach Feierabend ein paar Bierchen zu gönnen.

Fast unwillkürlich sind wir von Hiob, der hier redet, schon zum Reden von Menschen in unserer Zeit hinüber geglitten, die wir kennen. Mit Gott haben sie schon lange nichts mehr zu tun. Sie haben verinnerlicht, dass ihr Leben nur ein Zufallstreffer der Evolution des Lebens ist, mit dem es sowieso nichts weiter auf sich hat. Es gilt nur, dieses Leben  so angenehm wie möglich über die Runden zu bringen und dann möglichst schmerzlos von der Erde zu verschwinden. Das klappt auch mehr oder weniger – jedenfalls bei denen, die in einer Wohlstandgesellschaft wie unserer leben. Nur wenn andere, denen es nicht so gut geht wie ihnen, dieses kümmerliche Lebensideal zu stören drohen, zeigen sie Zähne.

Hiob macht das nicht. Er hält sich ja zugute, ein „Gerechter“ zu sein. Aber ihm drückt aufs Gemüt, dass alles, was er getan hat, nicht genug war, um vor den unbestechlichen Augen Gottes zu bestehen. Sein unter Leiden schwindendes Leben sagt ihm bloß, dass alles sinnlos war, wofür er gelebt hat. Er will darum Atheist sein, will Gott los sein, der alles, was er war und ist, wichtig nimmt. Aber diesem Wollen werden wir nicht zu Munde reden, wenn wir auf die vielen, vielen Menschen blicken, die heutzutage resigniert und traurig ihrem Lebensende ohne Horizont entgegen harren.

Denn der Gott Israels, an den sich Hiob wendet, erfüllt nicht, was Hiob will. Er wäre gar nicht Gott, wenn er das täte. Denn ohne seine Gegenwart bei seinen Geschöpfen – ganz gleich, ob sie das nun wahrnehmen oder nicht – will Gott nach dem Zeugnis der ganzen Bibel nicht Gott sein. In dieser Gegenwart aber ist alles versammelt, aufgehoben und von Gottes Liebe wohl geordnet, was wir in unserem endlichen Leben getan und unterlassen, gefeiert und gelitten haben.

In dieser Gegenwart ist unser endendes Leben nicht sinnlos. Die Dankbarkeit dafür, dass es von Gott gewürdigt und ausgezeichnet wurde, ein kleines Abbild seines ewigen Lebens zu sein und zu werden, wird dann den trübsinnigen November-Wahrheiten Hiobs das Wasser abgraben. Sie wird Lebensmut schenken, selbst wenn die Kräfte dafür schwinden. Sie wird fähig machen, zu Gottes Wegen mit uns „Amen“ zu sagen.

Gebet:

Herr Gott, lieber Vater, wir danken Dir, dass Du uns würdigst, in unserem endlichen Leben Partnerinnen und Partner deiner großen Liebe zu uns Menschen zu sein. Schenke uns, dass wir diese Auszeichnung unseres endlichen Lebens niemals vergessen, wenn wir uns heute in den Auseinandersetzungen um die Zukunft deiner Geschöpfe auf deiner Erde engagieren. Lass uns nicht Ideologien folgen, sondern schenke uns die unerschöpfliche Weitsicht und Klarheit deines ewigen Lebens, in der auch unser eigenes Leben Frieden finden wird. Amen 


 
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