< Mein schönste Zier und Kleinod
06.09.2018 13:50 Alter: 15 Tag(e)
Kategorie: Artikel

Ein starkes Herz für Menschen

"angesagt" zum Psalm 34, 9, in: Die Kirche vom 09. September 2018, 1.


 Halleluja. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut!  Halleluja!

„Kommt, denn es ist alles bereit. Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist“. Aus diesen Einladungsworten zum Abendmahl ist uns Christinnen und Christen unser Psalmwort wohl vertraut. Wir werden eingeladen, uns nicht nur durch Worte, sondern auch durch unsere körperlichen Empfindungen Gottes Freundlichkeit angehen zu lassen. Beim Abendmahl sind es Brot und Wein – Früchte der Erde, die wir schmecken und sehen - , welche uns sinnlich daran erinnern, dass Gottes Freundlichkeit im Leben und Sterben Jesu Christi geerdet ist.

Da wird also die Wahrnehmung unseres Psalms aufgenommen, dass Gotteserfahrung nicht nur die Sache eines rein „geistigen“ Erlebnisses ist. Friedrich Schillers Devise: „Zwischen Sinnenglück und Seelenfrieden bleibt dem Menschen nur die bange Wahl“, ist der Bibel fremd. Der Gott Israels berührt, beansprucht, bewegt Menschen ganz. Wer auf ihn traut, flieht nicht „aus der Sinne Schranken in die Freiheit der Gedanken“.  Ihm bereitet Gotteserfahrung auch ein Wohlsein seiner sinnlichen Existenz mit ihrem Schmecken und Sehen.

Dass es dem, „der auf den Herrn traut“, mit Geist und Sinnen wohl geht, darf freilich nicht als eine Freikarte für eine satte, selbstzufriedene Christenheit verstanden werden. Gerade weil Gott nicht nur unseren Geist, sondern auch unser ganzes sinnliches, körperliches Leben bewegt, schlägt in der Christenheit ein starkes Herz für die Menschen, denen menschliche Untaten das Schmecken und Sehen Gottes verwehren. 

 


 
Sie sind hier: Artikel